|
Amication - Weltsicht und Weltdeutung
Von 1976 bis 1978 führt Hubertus
von Schoenebeck ein Forschungsprojekt mit Kindern im Alter von 3 bis 17 Jahren
zur ersten wissenschaftlichen Erkundung
postpädagogischer Kommunikation durch und promoviert hierüber. Gleich
im Anschluss an seine Feldstudie legt er zusammen mit Jans-Ekkehard Bonte ein
Konzept für die erziehungsfreie Theorie und Praxis
vor. Diesem Konzept liegen die postpädagogische Idee, Aussagen der
emanzipatorischen Kinderrechtsbewegung (Children’s Rights Movement),
Erkenntnisse der Humanistischen Psychologie und die Erfahrungen des
Forschungsprojekts zugrunde. Das Konzept wird »Freundschaft mit Kindern« und
später auch »Unterstützen statt erziehen« genannt. Zu seiner Verbreitung wird
der »Freundschaft mit Kindern – Förderkreis e.V.« gegründet.
Die Erfahrungen und Reflexionen
der Forschung deuten durch die radikale Veränderung in den Beziehungen zu
Kindern in ein bislang gänzlich unbekanntes Land. Dieser Eindruck verstärkt sich
durch die Erkenntnisse, die bei der Umsetzung und Anwendung von »Freundschaft
mit Kindern« gewonnen werden. Es wird deutlich, dass sich eine besondere,
eigenständige Perspektive zu entwickeln begonnen hat.
Diese Sicht erstreckt sich nicht
nur auf die vielfältigen Facetten des Umgangs mit Kindern in Familie und Schule,
sondern greift ständig weiter aus, so auch auf die Beziehung des Erwachsenen zu
sich selbst, auf Partnerschaft, auf Kommunikation im allgemeinen, auf ethische
und gesellschaftliche Themen, bis hin zur Frage nach der Stellung des Menschen
in der Welt und zur Frage eines verantwortlichen Umgangs mit allen Phänomenen.
Die sich neu entwickelnde Gesamtsicht wird lange Zeit ebenfalls, jedoch nun in
einem weiten Sinne, »Freundschaft mit Kindern« genannt.
Es ergibt sich nach und nach eine
eigenständige Sicht von solchem Gewicht und Gehalt, dass sie schließlich als
eigene Weltdeutung verstanden und mit einem eigenen Namen benannt wird:
Amication.
Der Bezeichnung »Amication« ist
in Ableitung vom lateinischen »amicus« (Freund) gebildet und drückt das zentrale
Element dieser Sicht aus: die freundliche Beziehung des Menschen zu sich selbst,
zum anderen und zur Welt.
Amication ist eine Weltsicht und
Weltdeutung – die Phänomene der Welt werden mit der amicativen Perspektive in
spezifischer Weise gesehen und gedeutet. Amication ist
weit gefasst und bezieht sich auf alle Lebensbereiche. Amication
enthält eine eigene existentielle Philosophie und Ethik. Amication bewirkt eine
besondere Praxis und ist von einer charakteristischen Emotionalität umgeben.
Amication wird ständig weiterentwickelt, und viele Impulse kommen aus dem
Austausch in Vorträgen und Seminaren. Am weitesten fortgeschritten sind die
amicativen Aussagen zur Theorie und Praxis des erziehungsfreien Umgangs mit
Kindern, zur Selbstliebe und zu ethischen Fragen. Daneben werden besonders die
amicativen Positionen zu gesellschaftlichen Fragen, zum Umgang mit der Natur,
zur Religion, zum Recht und im Vergleich mit anderen Kulturen diskutiert.
Amication ist in der
konstruktiven Postmoderne verwurzelt. Das heißt, dass das Paradigma der
Postmoderne – die Gleichwertigkeit aller Phänomene – nicht in eine destruktive
und lebensfremde Beliebigkeit abgleitet, sondern durch jeden Einzelnen einen
konstruktiven Sinn erfährt. Der Einzelne sieht sich zwar in die unendliche
Vielfalt ohne objektiven Bezugspunkt geworfen, doch er
verzweifelt an dieser Beliebigkeit nicht, sondern stellt sich ihr und erkennt
sich selbst als Zentrum im Unendlichen: »Ich bin der Mittelpunkt des
Universums. Hier bin ich – mich umgibt eine endlose Anzahl von Möglichkeiten.
Doch was ist meine Auswahl? Wer will ich sein? Wer bin ich?« Die Beliebigkeit
der Postmoderne wird von jedem Einzelnen durch seine subjektive Wahl an
bevorzugten und verworfenen (aber nicht missachteten!) Möglichkeiten in einem
eigenen, individuellen Wertesystem beim Wort genommen und mit Sinn gefüllt. So
entsteht eine postmoderne Ethik der Selbstverantwortung,
welche die Gleichwertigkeit der Postmoderne ins Konstruktive geleitet.
Auch die Amication trifft aus
der großen Vielfalt der Postmoderne ihre Wahl und wird so in den »Grundlagen
amicativer Lebensführung« identifizierbar und kommunizierbar.
ab 1970
Postpädagogischer Impuls
1976-78
Forschungsprojekt zur Erkundung postpädagogischer Kommunikation
1978
Konzept »Freundschaft mit Kindern«
ab 1978
Entwicklung einer neuartigen Weltsicht, ebenfalls »Freundschaft mit Kindern«
genannt
1996
Einführung von »Amication« als Name für die neue Weltsicht
|
|
Inhaltsverzeichnis - table of contents (alle Seiten - all pages) Suche - search in www.amication.de Amication Freundschaft mit Kindern - Förderkreis e.V. Dr. Hubertus von Schoenebeck, Am Dorfe 4, D-29342 Wienhausen Telefon 051 49 -98 70 43 Fax 051 49 -98 70 65, Vereinsregister Nr. 2338 beim Registergericht Münster |