Das Menschenbild der Gleichwertigkeit

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Unter Menschenbildern werden psychische Grundhaltungen verstanden, die sich im Laufe des Lebens entwickeln und welche die innere Position zum anderen beinhalten. Dabei kommt es darauf an, was man fühlt, nicht darauf, was man fühlen sollte oder was nach »objektiven« Kriterien richtig sein soll. In der Amication geht es um ein spezielles Menschenbild: das Fühlen der Gleichwertigkeit. Fühlt man als jüngerer Mensch, dass einem Greise gleichwertig sind? Fühlt man als Weißer, dass einem Schwarze gleichwertig sind? Fühlt man als Mann, dass einem Frauen gleichwertig sind? Es geht nicht um Theorie – danach wird wohl jeder der Gleichwertigkeit zustimmen. Es geht um das, was sich innen ereignet, was man fühlt, wenn man mit einem anderen Menschen in Beziehung tritt. Die emotionale Grundhaltung ist dann entweder die einer übergeordneten Position oder die der Gleichwertigkeit.

 

Die Grundhaltung ist wichtig. Denn sie bestimmt den Umgang im Alltag und das politische Verhalten. Der eine tritt in Südafrika für die Gleichberechtigung der Schwarzen ein, der andere nicht. Der eine lässt seine Kinder mit türkischen Kindern spielen, der andere nicht. Der eine ist für das Wahlrecht der Frauen, der andere nicht. Menschenbilder bestimmen das Verhalten der Menschen, und diese tief verwurzelten Gefühle – »ich empfinde dich als gleichwertig« oder » ich empfinde dich nicht als gleichwertig« – teilen sich auf den psychischen Kommunikationskanälen mit. Durch die Gestik, die Mimik, den Tonfall der Stimme, die ganze Art. Menschenbilder lassen sich nicht wirklich verbergen, jeder lebt nach ihnen. Und sie können gänzlich entgegengesetzt sein. Es gibt zu Recht nur subjektive Richtigkeiten, niemand kann dem anderen sein eigenes Menschenbild aufzwingen. Veränderungen der Menschenbilder sind möglich, sie liegen in der persönlichen Entwicklung des einzelnen, welche Gründe sie auch haben mögen. 

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