Das pädagogische Menschenbild

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Die amicative Analyse hat offen gelegt, dass alle pädagogischen Theoretiker und Praktiker eine gemeinsame Basis haben so verschieden ihre Positionen auch sein mögen. Diese übergreifende Basis ist das pädagogische Bild vom (jungen) Menschen, das sich in den Büchern und Konzeptionen der pädagogischen Autoren, Wissenschaftler und Theoretiker findet und in jeder Handlung eines pädagogischen Menschen lebt.

 

Die pädagogische Welt hat eine einheitliche Basis. Über die Frage aber, wie man den Umgang mit Kindern von dieser Grundlage aus gestalten soll, wird gestritten. Da gibt es viele Richtungen: antiautoritäre Erziehung, autoritäre Erziehung, demokratisch-partnerschaftliche Erziehung, sozialistische Erziehung, christliche Erziehung, Montessoripädagogik, Waldorfpädagogik, permissive Erziehung, emanzipatorische Erziehung, Laissez-faire-Erziehung, Situationspädagogik, usw.

 

Wie ist das pädagogische, das traditionelle Bild vom jungen Menschen? Es geht um das Fühlen der Gleichwertigkeit, jedoch nicht um ein allgemeines Gleichwertigkeitsgefühl. dass Kinder gleiche Würde wie Erwachsene haben – dies wird sicher von pädagogischen Erwachsenen ebenso gefühlt wie von amicativen. Es geht um etwas Spezielles im Bereich des Gleichwertigkeitsgefühls. Es geht um die folgende traditionelle, die pädagogische Grundposition:

 

Menschen können nicht von Geburt an das eigene Beste selbst spüren.

 

Diese Fähigkeit haben Menschen nicht. Sie können nicht von Anfang an für sich selbst verantwortlich sein. Andere können und müssen an ihrer Stelle entscheiden, was ihnen wirklich nutzt und was ihnen wirklich schadet. Andere müssen für sie die Verantwortung tragen. In Bezug auf die Selbstverantwortung besteht keine Gleichwertigkeit von Erwachsenen und Kindern.

 

Die Mutter ist für ihr Kind verantwortlich, der Vater ist für sein Kind verantwortlich, der Lehrer ist für seine Schüler verantwortlich. Allgemein ist die Erwachsenenwelt für die Kinder verantwortlich. Es gilt: »Ich, der Erwachsene, weiß besser als du, das Kind, was für dich gut ist«. Dieser Unterschied wird nicht nur theoretisch behauptet, er wird gefühlt und gelebt. Es ist eindeutig und anders ist es nicht vorstellbar: Erwachsene sind für die Kinder verantwortlich.

 

Wer diese Position teilt, wird aus amicativer Sicht ein »pädagogischer« Mensch genannt. Er stellt seine Beziehung zum Kind auf die Grundlage, die auch für die Pädagogik maßgebend ist: dass Erwachsene für Kinder die Verantwortung tragen, weil diese das eigene Beste nicht selbst spüren können.

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