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Der psychologische Unterschied
Gefühle
begleiten das Tun. Emotionalität lebt in den Menschen und in ihren Beziehungen.
Die Wirklichkeit enthält für den
Menschen neben der physikalischen immer auch eine psychologische Dimension.
Die Reduzierung der Wirklichkeit auf Fakten und Dinge mag in der
Naturwissenschaft und in der Welt der Gegenstände korrekt sein, nicht aber bei
menschlichem Tun. Der eine fällt hin (Tun) – und ärgert sich über sein Missgeschick
(Gefühl). Der andere fällt hin (Tun) – und freut sich, dass er nicht
verletzt ist (Gefühl).
Der
Unterschied zwischen amicativem und pädagogischem Sinn liegt
in
der Gefühlsebene, der inneren Einstellung – nicht jedoch in der
Handlungsebene, wie immer wieder missverstanden wird. Von
außen gesehen kann ein amicativer Mensch genau das gleiche tun wie ein pädagogischer
Mensch. Das ist verwirrend und nur schwer zu verstehen. Immer wieder wird
nach konkreten Verhaltensunterschieden gesucht, woran man doch den Unterschied
der beiden Auffassungen und Lebensarten erkennen müsse. Doch dieser Unterschied
ist nicht äußerlich fassbar, er ist psychischer Art. Er ist unsichtbar, denn
Gefühle kann man nicht sehen.
Aber
Gefühle entziehen sich nicht der Wahrnehmung: man kann sie spüren.
Mit
der eigenen Emotionalität lassen sich die Gefühle der anderen wahrnehmen.
Man kann die Gelassenheit des anderen spüren, oder seinen Stress, seine
Sympathie oder Antipathie. Man kann merken, ob das, was jemand tut, freudig,
gelangweilt oder mit Ärger getan wird. Das Miteinander ist stets von Emotionen
umgeben, was immer im Bereich der Dinge auch geschehen mag.
Wer
als innere Grundposition fühlt »Ich bin für andere (Kinder) verantwortlich«,
wird von diesem Gefühl begleitet. Sein Verantwortungsgefühl lässt sich nicht
abschalten, es gehört zu ihm, und es lässt sich von den anderen wahrnehmen. Für
jemanden, der sich selbstverantwortlich fühlt, wird das vom anderen kommende »Ich
bin für dich verantwortlich« nach amicativer Auffassung als eine unzulässige
Einmischung in seine eigene Selbstverantwortung wahrgenommen.
Kinder
spüren das Verantwortungsgefühl der Erwachsenen, und die Amication erkennt,
dass
die Kinder es als psychische Aggression erleben. Ein amicativer Mensch
hingegen hat nichts von diesem Verantwortungsgefühl in sich, mithin umgibt ihn
auch nicht der im »Ich bin für dich verantwortlich« enthaltene seelische
Angriff.
Gleiches äußeres Verhalten wird von verschiedenen Emotionen umgeben. Entweder ist das Verantwortungsgefühl (neben vielfältigen anderen Gefühlen) dabei und entfaltet seine negative Wirkung – oder es ist nicht dabei und die Folgen einer solchen psychischen Aggression bleiben aus. Dieser psychologische Unterschied ist es, worauf zu achten ist, wenn man verstehen will, worin sich die amicative Lebensführung von der pädagogischen Tradition unterscheidet.
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