Die Befreiung des Erwachsenen
Die Befreiung vom pädagogischen Denken erfasst auch den Erwachsenen selbst.
Alles,
was das amicative Denken über Kinder sagt, gilt auch für Erwachsene.
Amication ist für Erwachsene unmittelbar von Gewinn, nicht nur in ihren
Beziehungen zu den Kindern. Sie sind die Kinder, um die es ihr Leben lang in
Wahrheit geht: »Ich bin für mich verantwortlich. Wie soll mein Leben aussehen?
Meine nächsten 3 Minuten? Meine nächsten 3 Stunden? Meine nächsten 3 Tage?
Was will ich – was will dieses Kind, das ich bin –
wirklich? Wie könnte ich es
erreichen?«
Amication wird oft zunächst im Blick auf die heutigen Kinder erfasst. Aber es geht um alle Kinder, auch um die groß gewordenen. Es ist, als ob ein junger Mensch zu den heutigen Erwachsenen tritt und ihnen etwas von ihrem verschütteten Wissen der eigenen Kindheit mitteilt. Dieses Kind erinnert die großen Kinder an die Wahrheiten ihrer Kindheit – Wahrheiten, die durch Erziehung und pädagogische Tradition verloren gingen: die Selbstliebe, die Vollwertigkeit, die Selbstverantwortung, die Souveränität, die Gleichwertigkeit, die Subjektivität, die Fehlerlosigkeit, die Sozialität, die Achtung vor der Inneren Welt, die Selbstbehauptung in der Äußeren Welt, die Empathie, die Erziehungsfreiheit. Der Erwachsene, der von diesen Dingen hört, wird stets direkt angesprochen. Und wenn er sich darin wieder findet, dann setzt er den amicativen Impuls für das Kind um, das ihm zuallererst anvertraut ist: für sich selbst.
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