Die positiven Wirkungen

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In der amicativen Praxis fühlen sich Kinder ganz grundlegend gemocht, wie immer sie sind. Wertschätzung und Liebe der Eltern sind Selbstverständlichkeiten. Sie kommen aus der Selbstakzeptanz und Selbstliebe der Erwachsenen, von daher sind sie selbstverständlich. Sie sind keine Norm, die einen zugunsten der Kinder in die Pflicht nimmt. Die Achtung vor der Inneren Welt des Kindes wird niemals irgendwelchen Werten, Erfahrungen, Einsichten untergeordnet. In den Konflikten begegnen sich gleichwertige Könige. Eine andere Einschätzung, die Ablehnung eines Verhaltens, ein Ärger, Ungeduld, Wutausbruch – all das ist anstrengend, kappt aber nicht die positive emotionale Verbindung. Harmonie charakterisiert den Alltag.

 

Was bedeutet das konkret? Es sollen aus der Fülle der täglichen Ereignisse einige Beispiele aufgezählt werden. Diese Beispiele amicativer Praxis sind nicht gelungene Ausnahmen, sondern Alltag. Ein Alltag allerdings nur bei den amicativen Familien, in denen beide Eltern Amication schon lange als ihre Lebensphilosophie angenommen und in ihrer Beziehung grundlegend verankert haben. Beide Eltern haben bereits vor der Geburt ihres Kindes eine amicative Einstellung gewonnen, die das Kind vom ersten Tag an erlebt. Je mehr pädagogische Positionen und Handlungen im Alltag amicativer Familien (noch) existieren, desto mehr Abweichungen gibt es in den positiven Wirkungen.

 

Die Abwesenheit von psychischem Krieg (»Sieh das ein«, »Es ist zu Deinem Besten«, »Ich bin für Dich verantwortlich«) mit seinen verheerenden Folgen (sich nicht geliebt fühlen, sich herabgesetzt fühlen, nicht mehr an sich und die anderen glauben) ist in der amicativen Familie Standard. Heute leben in den amicativen Familien Kinder jeglichen Alters, und es gibt amicativ aufgewachsene Kinder, die bereits erwachsen sind und eigene Kinder haben, mit denen sie auf amicativer Basis zusammenleben.

 

Amicative Kinder sind selbstverantwortlich von Geburt an, werden so von ihren Eltern gesehen und hierin nicht gestört. Die Entscheidungen, die sie treffen, bringen sie nicht in Gefahr, und Unfälle sind selten. Sie sind nicht in Versuchung, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Wenn sie sich für eine Beurteilung überfordert fühlen, delegieren sie an ihre Erwachsenen die Befugnis, für sie zu entscheiden. Sie schätzen die Erfahrung, Kompetenz und Körperkraft ihrer Eltern und machen ungezwungen davon Gebrauch, und die Erwachsenen gewähren sie ihnen gern.

 

Amicative Kinder schlagen nicht über die Stränge. Sie sind nicht ungezogen, sondern sie wachsen erziehungsfrei auf, das heißt, sie sind nicht in Abwehrhaltung gegen pädagogische Überfälle »trotzig« und »unartig«, sondern frei von solchen Überfällen in ungehindertem Kontakt zu ihrer Sozialität. Es kommt einfach nicht vor, dass sie sich mit Messer, Gabel, Schere, Licht verletzen, Wasser durch die Wohnung schütten, Lebensmittel für Spiele missbrauchen, Blumen abreißen, Tiere quälen, Wände beschmieren, Spielzeug zerstören. Sie sind in beiläufiger Selbstverständlichkeit achtsam.

 

Amicative Kinder haben wie andere Kinder auch immer wieder miteinander Konflikte, aber dies gerät ihnen nicht zu hässlichem Zank. Ihre Konflikte explodieren nicht in Hass, körperlichen Attacken, Häme, Schuldzuweisungen und Ohnmachtsgefühlen. Die Geschwister achten sich, der Ton ihrer Beziehungen ist einfach überwältigend, auch im Konflikt.

 

Amicative Kinder kennen nicht Rücksichtnahme im Sinne einer Pflicht, um deren Erfüllung man sich immer wieder bemühen sollte. Sie sind im Austausch mit den Wünschen und Gefühlen der anderen, und es liegt ihnen daran, dass diese auch zufrieden sind. Ihre soziale Weisheit ist faszinierend und jenseits jeglicher Pflicht hierzu.

 

Amicative Kinder sind klar in ihrem »Nein«. Ihr »Nein« ist nie gegen andere gerichtet, sondern Ausdruck dafür, dass sie einen anderen Weg gehen wollen. Ihr »Nein« ist deswegen leicht zu respektieren, die gesamte Problematik »Aufsässigkeit« und »Uneinsichtigkeit« taucht überhaupt nicht auf. Wenn Eltern ihr »Nein« nicht gelten lassen können (aus ihren subjektiven Gründen heraus) und sich darüber hinwegsetzen, beschwört das keine Katastrophe herauf, und das gilt auch umgekehrt. Kinder und Eltern reagieren – vielleicht nach einem Versuch, doch noch zum Zuge zu kommen –, schlicht mit Akzeptanz, und manchmal sind sie darüber auch betrübt, selten verärgert.

 

Amicative Kinder essen so viel, wie ihnen gut tut, und sie essen das, was ihnen schmeckt. Sie nehmen bittere Medizin und süße Gummibärchen, Vollkornbrot und Ketchup. Eltern und Kinder sind in dieser Frage sehr entspannt miteinander.

 

Amicative Kinder bekommen genug Schlaf, wann immer sie ins Bett gehen. Wenn ihre Eltern sagen, es sei Zeit, ins Bett zu gehen, dann gehen sie. Allerdings werden sie damit nicht zur Unzeit gestört. Die Eltern begleiten die Kinder in den Schlaf, so wie sie es gern haben. Die Kinder bleiben nicht bis Mitternacht auf, sondern sie haben ganz normale Schlafenszeiten wie andere Kinder auch. Der Unterschied liegt darin, dass es hierüber kein Theater gibt.

 

Amicative Kinder sind beliebte Spielkameraden. Sie sind am »Unsinn« anderer Kinder nicht uninteressiert, aber sie treiben solche Dinge nicht voran, und sie weigern sich, offensichtlich gefährliche und andere schädigende Aktionen mitzumachen. Sie petzen nicht, aber wenn sie wirklich schwere Bedenken haben, vertrauen sie sich ihren Eltern an. Sie halten sich von aggressiven Kindern fern und setzen sich gegen solche Kinder energisch zur Wehr, wenn sie von ihnen belästigt werden.

 

Amicative Kinder werden weder zur Reinlichkeit gedrängt noch dürfen sie die Wohnung beschmutzen. Es gibt Windeln und – wenn sie es wollen – den Topf, und später den Aufsatz auf der Toilette. Eines Tages ist es dann von allein soweit, dass sie ohne Hilfe zurechtkommen.

 

Amicative Kinder sind problemlos mit ihrer Sexualität, sie schämen sich ihrer Nacktheit nicht. Sie achten aber die Scham der anderen, und das verwirrt sie nicht. Sie wissen über all diese Dinge gut Bescheid, es ist ein normaler Bereich ihres Lebens.

 

Amicative Kinder reiten, fahren Schlittschuh, hören Discomusik, essen Pommes und Schokolade und Biokost, lesen Comics und »5 Freunde«, hören Kassetten und sehen »Bernhard und Bianca«, sie malen, basteln, backen sie leben ein ganz normales Kinderleben, nur eben von einer Qualität, die wirklich beglückend ist.

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