Die Sozialität des Menschen

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»Wer bin ich? Was will ich wirklich? Was kommt dem Kind zu, für das ich wirklich verantwortlich bin und das mir wirklich anvertraut ist – was kommt mir zu?«

 

An dieser Stelle taucht die Frage auf, ob das nicht egoistisch und unsozial ist. Gegenfrage: »Sind Menschen soziale Wesen, oder müssen sie erst dazu gemacht werden?« Die Amication fällt hier, in der Frage nach der Sozialität des Menschen, eine weitere Grundentscheidung, die sich radikal von der Tradition unterscheidet (neben dem Grundsatz, dass Menschen von Anfang an zur Selbstverantwortung befähigt sind): Menschen sind konstruktive soziale Wesen von Geburt an.

 

Nach amicativer Auffassung ist ein jeder selbstverantwortlich von Anfang an, und ein jeder kann sich lieben, so wie er ist. Selbstverantwortung und Selbstliebe enthalten einen sozialen Automatismus: Nächstenliebe ist deswegen in den Menschen, weil ihnen das selbst gut tut. Der Mensch will vom anderen Menschen – dessen Lächeln. Die Gewogenheit der Gemeinschaft, der Eltern, Partner, Freunde, das Angenommensein durch andere liegt einem jeden am Herzen. Menschen sorgen für die Zufriedenheit anderer Menschen, weil ihnen die Zufriedenheit der anderen gut tut. Menschen sind konstruktive soziale Wesen um ihres eigenen Vorteils willen. Sozialität muss niemandem erst beigebracht werden, sondern sie ist ein konstitutiver Teil jedes Menschen. Menschen sind sozial (fürsorglich, freundlich, hilfsbereit, solidarisch, aufopfernd), weil sie sich selbst lieben und sie sich um ihren Vorteil kümmern – und weil dieser Vorteil in den sozialen Angelegenheiten das Lächeln des anderen Menschen ist, das einem selbst gut tut.

 

Wenn Menschen aber in ihrer Selbstliebe gestört werden (so wie es ist, wenn sie erst noch richtige Menschen werden müssen), fehlt ihnen die Selbstverständlichkeit, mit allen Umständen zum eigenen Vorteil umgehen zu können, auch mit den »Umständen«, die die anderen Menschen sind. Wer sich selbst nicht (mehr) richtig lieben kann, kann sich auch nicht richtig um sich selbst kümmern, und in diesem Fall um das Lächeln des anderen, das gut tut. Seine soziale Dimension verkümmert, er verfehlt den anderen immer wieder, Egoismus ist die Folge. Selbstliebe jedoch ist dem Egoismus entgegengesetzt: Sie ist der Schlüssel zur Sozialität des Menschen.

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