Kinder und Grenzen

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»Kinder brauchen Grenzen. Man muss Kindern Grenzen setzen.« In einer solchen Aussage schwingt mit, dass es ohne Grenzen nicht gehe, und dass es falsch und unrealistisch sei, so etwas zu fordern.

 

Aber Grenzen gibt es immer, denn niemand ist allein im Universum, und das gilt auch für Kinder. »Man muss Kindern Grenzen setzen« ist von daher überflüssig.

 

Es fragt sich etwas anderes: Wie kann man mit Grenzen umgehen? Wie gehen Kinder mit Grenzen um? Wie gehe ich mit Grenzen um? Welche Bedeutung hat die Grenzproblematik für mich? Ist eine Grenze wirklich unverrückbar? Soll sie hingenommen werden? Wann? Heimlich? Verletzt die äußere Grenze auch meine Gefühle? Demoralisiert mich eine Grenze? Ist sie mir gleichgültig? Finde ich sie unangenehm, aber nicht weiter tragisch? Wer hilft mir, eine Grenze zu verrücken? Welche Grenze ertrage ich nicht? Akzeptiere ich, dass eine Grenze zu Recht besteht? In wessen Interesse gibt es diese Grenze? Kann ich auf diese Grenze, die ich anderen setzen will, nicht doch verzichten?

 

»Kinder brauchen Grenzen.« Brauchen Kinder Grenzen? Brauche ich Grenzen? Wer hat das schon gern? Grenzen lassen sich nicht vermeiden. Aber vielleicht verringern. Ich erlebe Grenzen als unangenehm. Kinder auch. Wenn ich Grenzen als Teil der Wirklichkeit erkenne, die es immer wieder gibt, dann kommt es darauf an, dies erst einmal zu akzeptieren. Welche Grenze sich im konkreten Einzelfall ändern kann, muss ich dann von Fall zu Fall sehen. Aber daran zu leiden, dass ich überhaupt Grenzen habe, ist überflüssig und kostet nur Kraft.

 

Der amicative Ansatz entdramatisiert die Grenzproblematik, ohne wehrlos zu machen. Ich bin nicht verstrickt in eine Abwehrhaltung gegen die Grenzen, die zu nichts führt, weil sich die Grenzen ja doch immer wieder einstellen. Aber ich bin aufmerksam, ob eine konkrete Grenze wirklich so bestehen muss, und was sich zu ihrer Veränderung tun lässt.

 

Wie gehen die Kinder mit den Grenzen um, die sie von amicativen Eltern bekommen, und die ihre Eltern nicht gegen sie setzen (oder gar für sie), sondern stets für sich selbst?

 

Da amicative Menschen nicht die innere Unterwerfung anderer wollen, wenn sie ihre Grenzen ziehen, können die anderen, ohne sich innerlich angegriffen zu fühlen, sehen, was denn diese Grenze soll: was sie für den Grenzzieher bedeutet. »Du grenzt mich ein – wie wichtig ist das für Dich?« Und nicht: »Du grenzt mich ein, und damit setzt Du mich herab«.

 

In meinem Zusammenleben mit Kindern erlebe ich diese von seelischer Verletzung freie Art der Grenzen. Sie nehmen mir meine Grenzen nicht übel. Und sie überlegen und intervenieren, um die Grenzen, meine Grenzen, zu verändern. Da ich mich dabei in meinem Grenzensetzen ernst genommen fühle (ohne dass sie über meine Grenzziehung begeistert sind oder ihr zustimmen), kann ich ihnen oft in der Grenzfrage entgegenkommen und Grenzen zurücknehmen oder ganz aufheben.

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