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Moment der Selbstbegegnung
Erwachsene sind großgewordene Kinder, die in ihrer Kindheit all diesen pädagogischen Dingen ausgesetzt waren, und die amicativen Erkenntnisse gelten auch für ihre Kindheit. Auch die heutigen Erwachsenen erlitten ein pädagogisches Kindheitsschicksal – mit all seinen Folgen und all dem verringerten Vertrauen in sich selbst und in die anderen.
Als Kinder lernten sie, dass sie erzogen werden müssten und dass sie erst durch Erziehung zu richtigen Menschen würden. Und entgegen der mitgebrachten Weisheit, eins zu sein mit sich selbst und in den eigenen Dingen selbst am besten Bescheid zu wissen, akzeptierten sie nach und nach, dass andere für sie verantwortlich seien, so wie sie später für andere, wenn sie einmal groß wären. Denn auch sie waren auf die Liebe ihrer Eltern und der anderen Erwachsenen angewiesen, auch sie vertrauten ihnen. Und so lernten sie, ihnen zu glauben und sich selbst zu verlassen.
Das lässt sich heute mit einer einzigen, aber radikalen psychischen Bewegung ändern. Diese Emotionalität kommt aus der Erkenntnis, dass ich und nur ich für mich selbst verantwortlich bin. Niemand sonst. Jeder Erwachsene ist eingeladen, jeder kann sich aufmachen und dies wiederentdecken. Es ist nicht verboten und auch nicht mehr zu verhindern: das uralte Menschheitspotential, sich selbst zu vertrauen und sich selbst zu lieben, kann man wiederaufleben lassen!
Souverän und selbstbewusst können Erwachsene das wieder fühlen lernen, was für sie damals als junge Menschen Realität war:
hier bin ich ich liebe mich ich vertraue euch ich bin die wahrheit und das leben ich bin unfehlbar ich bin unsterblich ich bin der mittelpunkt des universums ich weiß selbst am besten bescheid ihr seid teile meines ichs wenn ich mich euch zuwende begegne ich mir selbst ich bin teil des kosmos und der unendliche sinn trägt mich
Menschen sind erfüllt von dieser Einzigartigkeit und Religiosität, längst vor jeder Religion. Jedes Kind fühlt dies, Menschen sind solche Wesen. Diese existentielle Gewissheit wird durch das Menschenbild der Erziehung verschüttet. Doch jeder Erwachsene – jedes großgewordene Kind – kann den amicativen Impuls als Anstoß für sich nehmen, um wieder nach den alten Gesetzen zu leben.
Der amicative Impuls betrifft vor allem das Gefühl, den Intellekt streift er nur – als amicative Theorie. Im Insgesamt der Gefühle verändert sich ein Menschenbild. Das Bild vom Kind als von einem zu erziehenden Wesen verändert sich zu der Gewissheit, dass jedes Kind jenseits jeglicher Erziehung von Anfang an ein vollwertiger und souveräner Mensch ist. Es ändert sich das Bild von dem Kind, das der Erwachsene selbst war und das die jetzt jungen Menschen sind.
Dieser Bildumschwung hat vielfältige Ursachen, die in der Biografie jedes einzelnen liegen. Es ist dies ein intensiver Moment der Selbstbegegnung, der das Leben in eine andere Bahn geleitet. Auf einen Weg, der von Souveränität, Selbstliebe, Sozialität und Erziehungsfreiheit gekennzeichnet ist und für den die amicative Ethik gilt.
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