Schatzkisten

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Jeder von uns trägt viele Schätze in sich. Unsere Kreativität, unsere Lernfähigkeit, unser soziales Engagement, unsere Fähigkeit, nah und hilfreich zu sein, unsere Gestaltungskraft usw. Die bestehende Kultur lässt jedoch die Katastrophe über uns hereinbrechen, dass wir unsere Schätze als junge Menschen nicht so leben dürfen, wie es uns zukommt. Eine schier unendliche Angst der Erwachsenen dämmt uns ein, deckt uns zu, verstümmelt uns und lässt uns schließlich selbst annehmen, dass wir leer und dumm seien, dass in uns gefüllt werden müsse, was die Großen dort sehen möchten.

 

Wenn wir uns im Laufe unseres Lebens als junge Menschen auch mehr oder weniger damit abfinden, dass wir »in Wirklichkeit« nicht unsere Schätze leben können, dass wir nicht auf dem Marktplatz inmitten unserer Schatzkisten stehen und den anderen davon zeigen und sie daran teilhaben lassen dürfen, wenn wir »in Wirklichkeit« im Zusammensein mit anderen grau und schatzlos, ordentlich und normgerecht sein müssen, so gibt es dennoch ein tief in uns glühendes Wissen darum, wie wir sein könnten. Der Kontakt zu unseren Schätzen reißt nie ab, und in seltenen Ausnahmesituationen fühlen wir uns selbst ganz nah: Wenn wir in den Armen unseres Partners glücklich sind, wenn wir die Ruhe unseres schlafenden Kindes aufnehmen, wenn wir in der dichten und geheimnisvollen Sommernacht mit der aufblitzenden Sternschnuppe in den Kosmos fliegen. Selten, so selten geschieht dies, doch die Sehnsucht nach uns selbst ist da und sie lebt in uns.

 

Wir wissen sehr wohl um unsere Schätze, und wir wissen auch darum, dass wir unsere Schätze als Kinder verstecken, tief vergraben oder weit hinter den sieben Bergen in dunkle Urwälder bergen mussten. Wir taten dies, um einerseits in der von den Großen propagierten und mit Unterdrückung durchgesetzten Welt weiter leben zu können, um nicht misshandelt, für einen bunten Hund, für anormal gehalten zu werden – um nicht die Liebe dieser Menschen zu verlieren. Und andererseits starteten wir dieses Bergemanöver, um dennoch uns selbst nicht ganz preiszugeben, um dennoch der Wahrheit, mit der wir geboren wurden – nämlich Abgesandte des Lebens zu sein –, treu bleiben zu können.

 

Wir können heute den Mut und die Kraft und die Energie finden, unsere Schatzkisten zurückzubringen. Wir müssen nichts mehr verbergen und wir entdecken die wiedergefundene Realität, die wir sind, befreiende und friedenstiftende Kraft für alle. Dies geht langsam, aber wir sind auf dem Weg und werden uns nie mehr verstecken müssen.

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