Sich nicht mehr für Kinder verantwortlich fühlen

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 »Wie verhalten sich die Kinder, wenn ich aufhöre, mich für sie verantwortlich zu fühlen?« Bei dieser Frage schwingt das alte Verantwortungsgefühl mit. Wer sich solche Gedanken macht, hat sich noch nicht gelöst aus dem »Ich bin für mein Kind verantwortlich«. Das ist nicht weiter schlimm, aber es ist deutlich zu merken. »Wieso machst Du Dir Gedanken darüber?« Bei dieser Rückfrage wird das Verantwortungsgefühl bewusst.

 

»Sollen wir uns keine Gedanken mehr über das Verhalten und die Entwicklung unserer Kinder machen?« Die Antwort hierzu ist: »Sollen« sowieso nicht. Es gibt kein Sollen mehr. Nur noch: »Ich will«. Also: »Willst Du Dir Gedanken über Deine Kinder machen? Dann tu es. Wenn Du es eigentlich nicht willst: dann lass es.« »Aber man muss doch ...« »Wirklich? Wer sagt das?«

 

Amicative Menschen machen sich selbstverständlich auch Gedanken über das Verhalten und die Entwicklung ihrer Kinder. Diese Gedanken, diese Sorge, dieses Kümmern kommen von innen. Sie kommen nicht aus einem Sollen, einer Norm (was man als gute Eltern tun sollte). Sie kommen nicht aus Verantwortung für das Kind, sondern aus Verantwortung für sich selbst. Diese Gedanken sind Ausdruck des Kümmerns um sich selbst. »Meine Liebe zu mir umfasst auch Dich, Kind. Ich habe ein Problem, ich habe eine Sorge. Und deswegen mache ich mir meine Gedanken, auch um Dich.«

 

Die Frage »Wie verhalten sich die Kinder, wenn ich aufhöre, mich für sie verantwortlich zu fühlen?« lässt sich aus zwei Grundpositionen heraus stellen: Weil man sich (immer noch) verantwortlich für die Kinder fühlt. Oder weil man sich für sich selbst verantwortlich fühlt. Wenn sich also jemand nicht mehr für andere verantwortlich fühlt – aus der gesamten amicativen Position heraus –, kann er sich durchaus die Frage stellen, was bei den Kindern geschieht, wenn man aufhört, sich für sie verantwortlich zu fühlen. Es ist eine subjektive Frage mit der Suche nach einer subjektiven Antwort – keine objektive Frage mit objektiver Antwort.

 

Bei allen Fragen: man kann seine Einstellung – in Kindern selbstverantwortliche Menschen zu sehen – nicht rückgängig machen und will dies nicht. Die Verantwortung für Kinder wird ja nicht deswegen aufgegeben, weil das gut für sie ist, sondern weil es gut für einen selbst ist. Diese Sicht entspricht der Achtung vor sich selbst: »Ich kann nicht mehr jemand sein, der sich für andere verantwortlich fühlt. Weil dies jeder Mensch selbst ist. Mich für andere verantwortlich zu fühlen würde für mich bedeuten, den anderen psychisch zu überfallen, in bester Absicht. Kinder haben wie alle Menschen eine eigene, souveräne Innere Welt, dies erkenne ich. Und dieser Wirklichkeit begegne ich mit Achtung. Dies bin ich mir schuldig.«

 

Es ist Angelegenheit der Kinder, wie sie darauf reagieren. So, wie es die Sache des Partners oder der Freunde ist, mit der anderen Einstellung umzugehen. Die Kompetenz und Verantwortung für die Reaktion auf eine Veränderung liegen nicht bei dem, der sich verändert, sondern bei denen, die reagieren. Nicht, dass einen das nicht interessiert und kalt lässt. Nur: die Zuständigkeiten werden nicht verwischt. Hier die Entscheidung zur Amication – dort die Reaktion darauf.

 

Wie verhalten sich nun die Kinder? Die Erfahrung ist, dass es nach einiger Zeit des erstaunten Aufmerkens und der Nagelprobe einen erleichterten Umschwung gibt. »Endlich verstehst du. Endlich hörst du auf, meine Innere Welt nach deinem Bild zu formen.« Es gibt einen unbeschwerteren Alltag. Die Kinder bieten immer das Abenteuer gleichwertiger souveräner Beziehungen an – die Erwachsenen sind es, die endlich verstehen und annehmen. 

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