Ich möchte nicht
mehr analysieren und erklären, sondern einfach da-sein: wie du, die du dich in
der Sonne wärmst, ohne etwas über das Zustandekommen des Wetters wissen zu
wollen.
Ich möchte mir
mit sicherem Gefühl Menschen suchen und von ihnen weggehen können, wenn sie
nicht gut für mich sind: wie du, die du ohne Zögern meidest, bevorzugst,
liebst, verlässt.
Ich möchte mir
Zärtlichkeit und Liebe holen können, wenn ich sie brauche: wie du, die du dann
sanft auf meinen Schoß springst.
Ich möchte
unaufdringlich und ohne Ratschläge trösten können: wie du, die du einfach zu
mir kommst und mir zuhörst, wenn du merkst, dass ich traurig bin.
Ich möchte mich
zuviel ›Liebe‹ und zuviel Anspruch anderer gelassen entziehen können: wie du,
die du ruhig aufstehst und fortgehst, wenn mein Streichelbedürfnis größer ist
als deins.
Ich möchte mich
wehren können: wie du, die du die Krallen zeigst, wenn ich deine sanfteren
Zeichen nicht verstehe.
Ich möchte ohne
Schuldgefühle bevorzugen und ungerecht verteilen können: wie du, die du
nachts, wenn B. nach Hause kommt, von meinem Bett aufstehst und in ihr Zimmer
gehst - ohne zu überlegen, ›was das mit mir macht‹.
Ich möchte
allezeit erst mal für mich sorgen können und mich wichtig
nehmen: wie du, die du stets nur etwas für dich tust - und es ist
schön, wenn unserer beider Wünsche übereinstimmen.
Ich möchte
meiner Kraft und meinem Können sicher vertrauen: wie du, die du deine Sprünge
immer richtig abschätzt und genau weißt, was zu gefährlich für dich
ist, was du nicht schaffst.
Ich möchte
achtsam und vorsichtig sein können, meinen Weg zu gehen, ohne zu
zerstören: wie du, wenn du auf meiner vollen Fensterbank spazierst, ohne etwas
umzuwerfen.
Ich möchte
anmutig, kraftvoll, harmonisch und schön sein: wie du, die du nicht überlegst,
ob du wohl anmutiger, schöner ... bist; wie du, die du keine verspannten
Muskeln hast, weil du nichts unterdrückst.
Ich möchte mich
trauen, mit weniger Worten auszukommen: wie du, die du darauf vertraust, dass
ich dich lieb genug habe, dich auch wortlos zu verstehen; wie du, die du deine
Sachen machst, ohne um Erlaubnis zu fragen und dich zu rechtfertigen.
Ich möchte laut
fordern können, was ich für mein Recht halte: wie du, wenn du morgens dein
Frühstück verlangst.
Ich möchte mich
laut beschweren können, statt seufzend hinzunehmen: wie du, wenn dir dein
Katzenklo zu dreckig ist.
Ich möchte mich
einfach in anderer Leute Betten legen und nicht an meinem Wert zweifeln, wenn
sie mich dort nicht haben wollen: wie du.
Ich möchte
neugierig sein und mich in alle Höhlen trauen: wie du, der kein Karton zu
dunkel und kein Schrankfach zu unheimlich ist.
Ich möchte in
meiner Umgebung immer wieder neue Dinge, Menschen, Freude-Möglichkeiten,
Streichel-Partner, spannende Sachen zum Untersuchen und Spielen finden: wie
du, die du dich nie langweilst.
Ich möchte mich
total dem Genuss hingeben können, wenn mir Liebe gegeben wird: wie du, die du
nie berechnest, wie viel Gegenstreicheleinheiten du mir nun schuldest und nie
überlegst, ob ich dich morgen auch noch streichele, wie du dir eine Garantie
dafür verschaffen kannst, was du dafür tun musst und wen ich sonst noch
streichele ...
Ich möchte mich
trauen, eitel zu sein und mich stundenlang mit mir zu beschäftigen: wie du,
die du dich so ausgiebig und genussvoll putzt, für dich.
Ich möchte alle
meine Eigenschaften besitzen und keine davon verleugnen: wie du, die du
dich nie fragst, ob Mäusefangen moralisch ist; die du dich nicht der
Schizophrenie verdächtigst, weil du zärtlich und grausam bist.
Ich möchte mich
aus Angelegenheiten anderer raushalten und nicht deren Bestes wissen: wie du,
die du mir nicht das Rauchen oder das Colatrinken verbietest.
Ich möchte
sicher, unmanipulierbar und unerziehbar sein: wie du, die du nur deiner
Wege gehst, nur dir gehorchst, nur dir gehörst.
Ich möchte nicht
andere fragen müssen, wie ich am besten Toni bin: wie du, die du nicht auf die
Idee kämest, eine andere Katze zu fragen, wie man am besten eine Katze ist.
Ich möchte keine
Theorien mehr lesen, sondern einfach leben: wie du, die du dich frech auf mein
Buch legst und die Schrift verdeckst, in der ich wieder nach dem Zauberwort
gesucht habe, und mir zeigst: Hier ist das Lebendige, jetzt!